OHREN AUF! The Last of Bill Evans

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 04/03 vom 22.01.2003

Als ihn Miles Davis seinerzeit als Nachfolger des Pianisten Red Garland in sein Quintett holte, erklärte er Bill Evans, was er von diesem erwartete: "Du musst die ganze Band ficken." Worauf sich Evans für eine Viertelstunde zurückzog und dann höflich ablehnte: Er wolle zwar, dass die ganze Band glücklich sei, aber das könne er nicht tun. Der introvertierte Evans war eindeutig nicht der Bandfickertyp, hat die kleinen Verständnisschwierigkeiten mit Davis aber bereinigt und mit diesem schließlich das Jahrhundertalbum "Kind of Blue" eingespielt.

Berühmt werden sollte Evans dann aber vor allem mit seinen Trio-Aufnahmen, mit denen er Standards setzte, ohne die die Trios von Keith Jarrett oder Brad Mehldau nicht denkbar wären. Was mit dem früh verstorbenen Bass-Innovator Scott LaFaro und Paul Motian 1959 begann, fand 1980, am Ende von Evans' Leben, seine Fortsetzung mit den jungen Musikern Marc Johnson (b) und Joe LaBarbera (dr). Eine Woche vor dem Tod des durch jahrelangen Drogenkonsum


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