STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 05/03 vom 29.01.2003

Bist du nicht froh", fragt am Ende das schwangere Mädchen ihren Freund, "bist du nicht froh, dass deine Mutter dich nicht abgetrieben hat?" Eine rhetorische Frage, denn die Antwort kennt man seit der ersten Szene des Films: Da hat der sommersprossige Teenager sich am Skateboardplatz vor der Schule nämlich die Birne weggeschossen. Und nach ihm, dem toten "Helden", haben Larry Clark und Ed Lachmann ihre düstere Kleinstadtgroteske auch "Ken Park" benannt.

  Erzählt werden Episoden aus dem Leben einer Hand voll (mehr oder weniger) kaputter Kids und ihrer (eher mehr als weniger) kaputten Familien. Claude wird von seinem Daddy traktiert und beinah vergewaltigt, Shawn treibts mit der Mama seiner kleinen Freundin, Peaches leidet unter dem religiösen Wahn ihres verwitweten Vaters, und Tate kommts nur mehr dann, wenn im Fernsehen gerade Damentennis läuft und die Schlinge um seinen Hals auch wirklich eng genug ist. Gefilmt ist das mal so, mal so: der Selbstmord in Zeitlupe (gewagt!), Daddy beim Fitnesstraining vor einem zerbrochenen Spiegel (tiefsinnig!), die höchstschwanger ketterauchende Amanda Plummer (Gaststar, lustig!) usw. - Für jeden etwas, Hauptsache: Kalauer.

  Ach ja, und dann gibt es noch diverse Fickszenen: Sex, im Kino, zumal im amerikanischen, immer noch tabu, ausnahmsweise recht explizit und ganz entspannt. Wo der coole Larry, 59, die Kids einmal ganz bei sich sein und sie einmal nicht irgendwelche Dialoge runtersagen lässt. Ob die "Ken Park" einen "kontroversiellen" oder sogar "geilen" Film finden? Schon eher vermutlich die alten Männer, für die er gedacht ist, die Festivals machen und Preise vergeben.


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