OHREN AUF! US-Muskelmusik

CARSTEN FASTNER | Kultur | aus FALTER 05/03 vom 29.01.2003

Zeit seines Lebens saß der Versicherungsmakler und Komponist Charles Edward Ives (1874-1954) in der amerikanischen Provinz von Connecticut und pfiff auf die Musiktradition des alten Europa ebenso wie auf die Versuche in der Neuen Welt, an eben diese Tradition anzuschließen. Nicht, dass der Yale-Absolvent der Schönen Künste davon nichts verstanden hätte; die Eigenständigkeit seiner Musik war ihm einfach wichtiger. "Jeder sollte die Chance haben, nicht übermäßig beeinflusst zu werden", sagte er und konnte selbst dank finanzieller Unabhängigkeit ohne Rücksicht auf den Musikbetrieb komponieren.

Kaum verwunderlich also, dass Ives' umfangreiches Werk zu Lebzeiten so gut wie nicht wahrgenommen wurde; und umso größer die Überraschung, als man den Einzelgänger nach seinem Tod entdeckte: als einen erstaunlich frühen Prototypen des amerikanischen Avantgardisten, der, von den Klängen seiner unmittelbaren Umgebung - der Dorfkapelle, der Kirchen- und der Zirkusmusik, dem Ragtime und den

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