Im wilden Norden

Stadtleben | JULIA ORTNER | aus FALTER 05/03 vom 29.01.2003

GROSSFELDSIEDLUNG. Junkies, Trinker, Schläger, Nazis, Tristesse. Vergewaltiger in finsteren Gängen, Sozialfälle in grauen Betonburgen: Mit Elizabeth T. Spiras Doku über die Großfeldsiedlung ist das Klischee von der Bronx Wiens wieder wach geworden. Ist die Satellitenstadt tatsächlich so räudig? 

Diesmal wars die Videokassette mit dem Spira-Film über seine Wohnsiedlung, mit der ihn die lieben Kollegen in seiner Hütteldorfer Firma fuchsen wollten. Karl Pawlik, grauhaarig, gemütlich, korpulent, hat ihre neuesten blöden Schmähs über die Großfeldsiedlung mit Würde getragen. "G'heckelt haben sie mich schon früher, dass ich in Floridsdorf wohn", sagt der gelernte Nachrichtentechniker und grinst müde. Seit 1971 lebt er hier im hohen Norden der Stadt, in der Großfeldsiedlung, im zehnstöckigen Gemeindebau. Nur früher, da waren die Kommentare über seinen Stadtteil noch gemeiner: Die Siedlung galt als die Bronx Wiens, der wilde Norden. "Da hat man sich angewöhnt, die Adresse


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