VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 06/03 vom 05.02.2003

... Hans Hurchs "Anmerkungen zur Arbeit des Wiener Stadtkinos".

Heute, etwas mehr als ein Jahr nach der Eröffnung des Stadtkinos, scheint es an der Zeit, einige grundsätzliche Überlegungen zur Arbeit jener Einrichtung anzustellen. Betrachtet man etwa eine Zusammenfassung sämtlicher bisher im Stadtkino gezeigten Filme, fällt vor allem ein hohes Maß an Willkür und Beliebigkeit die Auswahl und Spieldauer einzelner Filme betreffend auf. Manchmal scheint es, als hätte der Wind der Zufälligkeit die eine oder die andere Seite eines Verleihkatalogs oder einer Filmgeschichte aufgeblättert. Aufgabe dieses Kinos wäre es, mit den Möglichkeiten einer subventionierten Einrichtung den Zugang zu jenen Filmen zu erschließen, die sich radikal den Verwertungsinteressen der herrschenden Verhältnisse widersetzen. Dies ist in einer Stadt wie Wien, wo die Gemeinde einen nicht unwichtigen Teil der bestehenden Kinos besitzt und und kontrolliert, nichts anderes als der minimalste moralische Anspruch auf Wiedergutmachung. Anstatt jedoch die gegebenen Möglichkeiten zu nutzen, hat sich das Stadtkino bei der Auswahl der Filme zum Teil auf solche beschränkt, die auch im so genannten kommerziellen Kino ihr Auskommen gefunden hätten, darüber hinaus aber auch aufgrund ihrer mangelnden filmischen Qualitäten, das ihnen durch die Programmierung entgegengebrachte Interesse nur unzureichend rechtfertigen konnten.


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