Kommentar: Wie alt ist Europa, wie doof sind die USA?

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 06/03 vom 05.02.2003

"I'm so bored with the USA", sangen einst The Clash. Mit Langeweile lässt sich das Verhältnis zwischen Europa und den Vereinigten Staaten derzeit aber wohl kaum beschreiben. Und seit US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld über das "alte Europa" hergezogen ist und damit die innereuropäische Führerschaft von Deutschland und Frankreich infrage stellte ("das Zentrum der Schwerkraft verlagert sich nach Osten"), ist die wechselseitige Gereiztheit sozusagen offiziell. Das Stichwort wird dankbar aufgegriffen und zur Demarkationslinie erklärt, entlang der sich ein veritabler Kulturkampf entzündet hat.

Am flottesten reagierte der Spiegel, der einen Essay des Büchner-Preisträgers Durs Grünbein abdruckte. Dass die Rede, auf der dieser fußt, in Unkenntnis der Rumsfeld'schen Äußerungen geschrieben wurde, verschlägt nichts. Der Hinweis darauf, dass in Grünbeins "sehr persönlichem, poetischem Europa-Bild das ,Alte' als Adelstitel aufleuchtet", muss reichen. Weit holt der Dichter aus und


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige