AUFGEBLÄTTERT

Kultur | Thomas Askan Vierich | aus FALTER 06/03 vom 05.02.2003

Viele Schriftsteller wären glücklich, wenn sie jedes Jahr einen Roman zusammenbrächten. Georges Simenon, der am 13. Februar seinen 100. Geburtstag feiern würde, brauchte für seinen ersten einen Morgen auf der Terrasse eines Cafés. Gut, es war einer jener Dreigroschenromane, mit denen sich der junge Belgier in Paris einige Jahre über Wasser hielt. Aber auch später blieb Simenons Schreibwut legendär: Einen "Maigret" legte er in zehn Tagen hin, für einen "großen Roman" brauchte er einen Monat. Seine Methode schilderte er seinem väterlichen Freund und Bewunderer André Gide in einem Brief, der im Simenon Lesebuch zu finden ist: "Wenn ich einen Roman einmal angefangen habe, bin ich selber meine Hauptperson; ich lebe ihr Leben (...) wie eine freiwillige, allumfassende Verblödung." So brachte es Simenon auf 194 Romane, darunter 84 "Maigrets", die in über 55 Sprachen übersetzt wurden. Gesamtauflage: eine halbe Milliarde.

  Simenon litt lange unter dem Makel des Vielschreibers. Erst


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