STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 07/03 vom 12.02.2003

Mein Name ist Pierre Delacroix, ich bin Fernsehautor." Spike Lees vorvorletzter Film, der gut zwei Jahre verspätet in den heimischen Kinos anläuft, heißt "Bamboozled"; er beginnt quasidokumentarisch, zielt alsbald auf Satire und endet mit einem großen Kracher, Mord und Totschlag ("It's Showtime", verspricht der deutsche Verleihtitel und hat ganz recht damit). Die Geschichte geht ungefähr so: Pierre, der schwarze Harvard-Absolvent, wird von seinem Boss, dem weißen Schnösel, zur sofortigen Beschaffung eines "Quotenhits" angehalten, woraufhin dieser zwei Stepptänzer namens Manray und Womack von der Straße aufliest und sie als Stars einer neuen "Millennium Minstrel Show" auftreten lässt. "Minstrel": Weiße spielen Schwarze, und Spike Lee spielt mit sämtlichen Klischees, die seit den Zeiten von Al "Coalface" Jolson zu diesem Unterhaltungsgenre dazugehören. Und es kommt denn auch, wies kommen muss: Die üble Chose erweist sich als Straßenfeger, ihr Erfinder wird mit Preisen überhäuft.

  Mit schlechtem Geschmack wider die Political Correctness, könnte die Devise des Films lauten, denn ein jeder kriegt sein Fett ab. Auch die Mau Mau, eine militante Formation von Gangster-Rappern, die Sturm gegen die Show laufen, einen der beiden Stars entführen und seine Hinrichtung am Ende live im Internet übertragen. Eh wahr, eine Satire darf alles, nur keine schlechte Satire sein. Doch auch wenn "Bamboozled" mitunter selbst mehr nach schlechtem Fernsehen als nach Satire über schlechtes Fernsehen ausschaut: Lee bleibt trotz dieses Ausrutschers ein wichtiger und interessanter Regisseur.


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