STANDPUNKT: Klestil, die IV.

Politik | aus FALTER 08/03 vom 19.02.2003

Thomas Klestil möchte ein aktiver Präsident sein. Leider nur, wenn es um die große Koalition geht. Ihm haben wir etwa das Wörtchen "sondieren" zu verdanken, mit dem er SPÖ-Chef Viktor Klima nach der Wahl 1999 zu wochenlangen Gesprächen mit allen Parteichefs ausschickte. Als sich abzeichnete, dass Klima doch nicht Regierungschef werden sollte, beschwor Klestil mehrmals den Ernst der Lage. Doch zu mehr als einem finsteren Gesicht hat sich der Präsident dann bei der Angelobung von Schüssel, Riess-Passer & Co doch nicht durchgerungen. Zweimal hat das Staatsoberhaupt schon während dieser Verhandlungen auf den Putz gehauen. Aber jedes Mal wieder nur, um seine eigene Koalitionspräferenz durchzuboxen. Vor ein paar Wochen dozierte Klestil vor dem Europarat in Straßburg mit ausholenden Armen: "I prefer the big ones!" Zu Hause scheint er sich das nicht zu trauen. Als Alexander Van der Bellen ihn von den Gesprächen mit Schüssel in Kenntnis setzte, hüllte sich der Präsident in viel sagendes Schweigen. Seit Schwarz-Grün geplatzt ist, kehrt Klestil nun plötzlich wieder den obersten Mann im Staate raus. Er zitierte alle Parteichefs in die Hofburg und ließ wissen, dass er sich vom Bundeskanzler "raschest eine Entscheidung bezüglich der Koalitionsform" erwarte. Solange es nur die richtige ist. Sonst gibts böse Miene. N. W.


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