Tote Hasen tanzen nicht

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 08/03 vom 19.02.2003

FILM. In seinem Epos "Gangs of New York" erweist sich Martin Scorsese als Mythologe der Vereinigten Staaten ebenso wie des Kinos. Und muss sich für das viele Geld mit einer hanebüchenen Love-Story rechtfertigen. 

Die befremdlichste Szene ist die letzte. Im Vordergrund ein kleines eingefasstes Wiesenstück, auf dem, wie alte Vertraute, dicht nebeneinander zwei Grabsteine stehen. Der eine erinnert an "Priest Vallon", gestorben 1846, der andere an einen gewissen William Cutting, gestorben 1863. Danach, ganz langsam, verschwimmt das Bild. Links neben dem Friedhof ist die Brooklyn Bridge gewachsen, am gegenüberliegenden Ufer des Flusses zeichnet sich, mit jeder neuen Überblendung deutlicher Gestalt annehmend, die unverwechselbare Skyline von Manhattan ab, über die am Ende der Szene die Türme des World Trade Center ragen, derweilen die Grabinschriften längst unleserlich geworden sind. Dazu heben U2 mit "The Hands That Built America" an.

  Geschichte und Gegenwart, die vergessenen Gräber


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