VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 09/03 vom 26.02.2003

... besprach h.k. einen neuen Film über Neonazis: "Die Erben" von Walter Bannert.

Wie wird man zum Neonazi? Dieser Frage geht Walter Bannert in seinem zweiten Spielfilm nach, indem er die Geschichte eines ebensolchen vom ersten Kontakt zum Partei-Jugendklub bis zum militärischen Ausbildungslager auf dem bekannten Waldviertler Bauernhof zu rekonstruieren versucht. Die Anziehungskraft neofaschistischer Organisationen auf Jugendliche wird mit deren (leicht übertrieben dargestellten) desolaten Familienverhältnissen erklärt - gleichmäßig verteilt auf Oberschicht (genauer: Sozialaufsteiger) und Unterschicht (beim Freund des Helden); als Gegenstück dazu versucht der Film die typische Pubertierenden-Kameraderie, die in solchen und ähnlichen Organisationen gedeiht, nachzuzeichnen. Leider gerät dabei die spezifische Anziehungskraft der Ideologie - obwohl sicher intendiert - etwas außerhalb des Blickwinkels - zumal Bannert und sein Drehbuch-Coautor Erich A. Richter in einigen Szenen auf das bekannte, dämonische Monsterklischee nicht verzichten konnten; z.B. wird ein Lampenschirm aus menschlicher Haut ("Judenhaut") geifernd bewundert.


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