PRESSESCHAU

Medien | EVA WEISSENBERGER | aus FALTER 09/03 vom 26.02.2003

Ein guter Tag beginnt mit der besseren Zeitung. Manchmal ist die Morgenzeitung wirklich besser als die Abendausgabe, wenn wegen bedeutender Ereignisse noch - wie man im Branchenjargon sagt - mutiert wurde. Nichts gegen meine Kollegin Julia Ortner da drüben, aber wegen einer Fernsehschau macht sich selten jemand die Mühe. Außer man ändert seine Meinung binnen Stunden ins Gegenteil. Die TV-Kritikerin fragte sich im Dienstags-Kurier: Waren die schwarz-grünen Verhandlungen ein so wichtiges innenpolitisches Ereignis, dass alle Journalisten vor dem Bundeskanzleramt hätten kampieren müssen, um das Scheitern am Sonntag im Morgengrauen mitzuerleben? Ihre Antwort in der Abendausgabe lautete: "Ja." In der Morgenausgabe: "Nein." Am Abend kritisierte sie den ORF, weil Paul Lendvai am Vormittag "wie gewohnt über die Lage der Welt referierte (Irak)". In der Früh gratulierte sie dem ORF zur "Sondersendung" um 11 Uhr, die Lendvais Europastudio "Zeit abzapfte". In beiden Ausgaben kam sie zum selben Schluss: "Auch das flotteste Medium schläft gern am Sonntag länger." Zusatz am Morgen danach: "Zum Glück nicht immer."


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