Aufgeblättert

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 09/03 vom 26.02.2003

Der Prosaschriftsteller Michael Lentz liebt es gravitätisch, der Lyriker Michael Lentz hingegen luftig und leicht. "in einer zeile / ist alles gesagt", so könnte das Motto seines Gedichtbands "Aller Ding" lauten, mit dem er nach der Bachmann-Preis-Prosa zu seinen Wurzeln zurückkehrt, dem Experimentaltext in der Tradition der konkreten Poesie. Das Genre bietet Lentz alles, um den Vorwurf der Kritiker auszuhebeln, zu jenen zu gehören, die im Grunde nichts zu erzählen haben - und es also auch nicht können. Wer konkrete Poesie pflegt, der hat nicht den Anspruch, "etwas zu sagen", der will nur spielen; etwa mit den bedeutungsschweren Ballaststoffen, die der Überinformationsgesellschaft aufs Gemüt drücken. "am anfang war das wart / aus dem sinn aus dem wort aus der welt / das ist fast erzählend / das muss ein schönes buch gar sein, das niemand fiel zu lesen ein." Der Sinn dieser Zeilen? Sinngehalt zu vernichten. "jedenfalls / hängt die letzte / KAPPE / eines gewissen / ALLEN GINSBERG


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