Stadtrand: Eurofreude mit Sissi

Stadtleben | aus FALTER 09/03 vom 26.02.2003

Diesmal ein Stadtrand, der über den Wiener Stadtrand hinausgeht: Wenn man in Bäckereien der Börsestadt Frankfurt am Main (ausgerechnet!) seine "Kaffeestückchen" mit einer österreichischen Zwei-Euro-Münze bezahlen will, gibt es ein großes Hallo. "Oh! Die Sissi", rufen Verkäuferinnen erfreut, wenn die Münze den Besitzer wechselt. Kolleginnen werden zusammengetrommelt, die Arbeit unterbrochen. Der Einwand, die Prägung auf der Münze stelle keineswegs die Kaiserin mit Lehrjahren und Romy-Schneider-Gesicht dar, sondern vielmehr die große Schriftstellerin und Pazifistin Bertha von Suttner, bleibt ungehört. "Bertha von was?", plärrt es hinter der Kaffeestückchen-Theke. "Papperlapapp, das ist die Sissi, das sieht man doch ganz genau", sagt die Frau resolut, wechselt die Münze mit einer privaten und lässt den in Frankfurt am Main offensichtlich äußerst raren Euro-Schatz in ihr Geldbörsel wandern. "Beweisen Sie uns doch, dass es nicht die Sissi ist, sondern diese Bertha", fordert eine Kollegin forsch. Pech, dass auf der Münze zwar von Suttners Gesicht zu sehen ist, aber nirgendwo ihr Name steht. "Endlich habe ich die Sissi-Münze", ist die Frankfurter Kaffeestückchen-Verkäuferin glücklich. Soll sie doch sein. Aber vielleicht ließe sich ja auf Euro-Münzen künftig draufprägen, wer oben ist? C. W.


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