VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 10/03 vom 04.03.2003

... forderten die Bewohner der Rosa Lila Villa Autonomie.

Seit November 1982 ist in der Linken Wienzeile 102 der Rosa Lila Tipp eingerichtet, eine Beratungs- und Informationsstelle für und über Homosexuelle. Noch ist dieses Infocenter als Privatinitiative organisiert, den Betreuern ist aber versichert worden, dass ihre Arbeit bei erwiesener gesellschaftlicher Relevanz aus dem Sozialbudget der Gemeinde Wien finanziert werden könne. Um die Einlösung dieser Möglichkeiten geht es auf der einen Seite. Um die Räumlichkeiten geht es auf der anderen Seite: Der Rosa Lila Tipp ist der öffentliche Bereich einer Hausgemeinschaft, die im Zuge der legalen Vergabe von drei Instandsetzer-Projekten im Frühjahr 1982 vergeben worden ist. Betreut und geleitet von Wolf Sator in seiner Eigenschaft als Konsulent der Frau Vizebürgermeister Fröhlich-Sandner, haben Schwule und Lesben sich das abbruchgefährdete Haus Linke Wienzeile 102 erschlossen. Seither haben die Instandbesetzer die Wohnungen hergerichtet und das Dach auf eigene Kosten ausgebessert. Trotzdem werden ihnen überhohe Betriebskosten bis zu tausend Schilling für eine Wohnung verrechnet. Die Aufstellung der Betriebskosten erfolgt nach einem festgelegten Schlüssel, die Verwaltung obliegt in traditioneller Gemeindebaumanier einem zuständigen Hausinspektor. Bisher sind die Instandsetzer den Zahlungsaufforderungen nicht nachgekommen. Die Hausgemeinschaft fordert von der Gemeinde die Einräumung einer ökonomischen Selbstverwaltung in Eigenverantwortung. Danach wären sie selber die Zuständigen gegenüber den Wasserwerken, der Müllabfuhr, dem Energieverbund und anderen. Autonom eben. Darunter verstehen sie auch die Freiheit, ihr Haus rosa zu streichen und die Telefonnummer weiterhin leserlich an die Wand zu sprühen.


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