M. RAUCH-KALLAT: Die Betschwester

Politik | aus FALTER 10/03 vom 04.03.2003

Wohin wird Maria Rauch-Kallat diesmal pilgern? Aus Dank dafür, dass die ÖVP nach über dreißig Jahren wieder den Kanzler stellte, ging die 54-Jährige nach der letzten Regierungsbildung von Perchtoldsdorf nach Mariazell. Im Schlepptau ihren Gatten, den "Seitenblicke"-Grafen Alfons Mensdorff-Pouilly, für den sie ihre erste Ehe vom Papst hatte annulieren lassen. Nach der letzten Wahl, am Abend des 24. November, dankte die ÖVP-Generalsekretärin dem "lieben Gott" für den Wahlsieg. Und Wolfgang Schüssel dankte es ihr nun mit dem Gesundheits- und Frauenministerium. Auf beiden Gebieten ist sie kompetent: Ihre politische Karriere begann Anfang der Achtzigerjahre, als die Mutter einer sehbehinderten Tochter dem damaligen Wiener ÖVP-Chef Erhard Busek vorwarf, sich nicht genug für Behinderte einzusetzen. Rauch-Kallat engagiert sich in der schwarzen Frauenbewegung, gründete das Karrierenetzwerk Alpha für Frauen und veranstaltet Journalistinnenkongresse. 1992 wurde sie Familien- und Umweltministerin. Als er ÖVP-Obmann wurde, versetzte Schüssel Rauch-Kallat 1995 in die Parteizentrale. Dort erwies sie sich als loyale Generalsekretärin: Schüssel traf seine Entscheidungen oft im Alleingang, informierte sie nicht richtig, wurde es brenzlich, musste aber Rauch-Kallat ihren Kopf in der Öffentlichkeit hinhalten und Schwarz-Blau schönreden. Rückschläge in ihrer Karriere: 1992 wurde Bernhard Görg an ihrer Stelle Wiener ÖVP-Chef. Bei der Nationalratswahl 1999 schnappte ihr Gerhart Bruckmann mit einem Vorzugsstimmenwahlkampf das Mandat vor der Nase weg. Seit längerem plant Rauch-Kallat ihr Leben nach der Politik. Sie hat nebenbei eine Ausbildung zur Psychotherapeutin absolviert, die ersten Patienten haben sich schon angemeldet. In der nächsten Zukunft wird sie ihre neuen Fähigkeiten aber nur beim Ministerrat einsetzen.


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