Josef Pröll: Der Neffe

Politik | aus FALTER 10/03 vom 04.03.2003

Sein Onkel wird wegen seines mannigfaltigen Einflusses gerne "die Krake" genannt. In der neuen Regierung hat der omnipotente niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll, der sich bis zuletzt gegen die Neuauflage von Schwarz-Blau sträubte, gleich zwei Vertrauensleute sitzen: Neben seinem politischen Ziehsohn Ernst Strasser, der Innenminister bleibt, leitet sein echter Neffe das Landwirtschaftsministerium. Er wuchs auf demselben Bauernhof auf, wie Erwin Pröll studierte Josef Pröll an der Uni für Bodenkultur. Wie der Senior hat auch der Junior sein politisches Handwerk im mächtigen niederösterreichischen Bauernbund gelernt. Neben seinen Familienbanden bringt der erst 34-jährige Ressortchef aber auch fachliche Erfahrung mit. Denn er kennt sein Ministerium von innen und außen: Zuletzt war er Bauernbund-Direktor, davor hatte er eineinhalb Jahre das Kabinett seines Vorgängers Wilhelm Molterer geleitet. In dieser Zeit strukturierte Pröll das Ressort, das damals die Umweltagenden dazubekam, um. Seither heißt das Ministerium am Stubenring auch "Lebensministerium". Josef Pröll gilt als Anhänger der ökosozialen Marktwirtschaft, er schwört auf das "Nachhaltigkeitsprinzip" im Umweltschutz und besitzt sogar eine Jahresnetzkarte für die Wiener Öffis. Der größte Unterschied zu seinem Onkel liegt in seinem Gemüt. Während der Landeshauptmann bei seinen legendären Wutausbrüchen schon mal gerne Aktenordner durchs Büro schleudert, wird der neue Minister parteiintern als "gemütlicher, geduldiger, menschlicher Typ" beschrieben, der - im Gegensatz zu seinem Verwandten - "nicht dauernd einen Kasernenton anschlägt". Auch zu den musikalischen Auftritten, die die schwarze Ministerriege medial gerne zur Schau stellt, kann Josef Pröll künftig etwas beitragen: Er spielt Klarinette. N. W.


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