Günther Platter: Der Stiefbruder

Politik | aus FALTER 10/03 vom 04.03.2003

Die anderen wichtigen Gegner von Schwarz-Blau II schickten Verwandte und Weggefährten in die Regierung. Der Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa, der sich aus Protest der Stimme im ÖVP-Parteivorstand enthielt, wurde anders ruhig gestellt: indem man seinen größten Konkurrenten ins ferne Wien abschob. Vor eineinhalb Jahren war Günther Platter bei der Wahl zum Landesparteichef Van Staa nämlich nur knapp unterlegen. Der 48-Jährige fällt durch Wolfgang Schüssels Schachzug nach oben, der Bürgermeister von Zams und ÖVP-Hinterbänkler im Nationalrat ist nun Verteidigungsminister. Dafür muss er für den Ankauf der Eurofighter geradestehen. Doch sogar der Grüne Peter Pilz, der Platters Vorgänger wegen Abfangjäger und Ausbau der Rechte für Militärspitzel stets das Leben schwer machte, lobt den neuen Bundesheer-Chef. Im Innen- und Verteidigungsausschuss sei Platter als "sachlicher Kollege" aufgetreten, der sich "im Ton wohltuend von anderen schwarzen und blauen Politikern unterschied". Pilz' Parteifreundin Eva Lichtenberger nennt ihren Landsmann Platter einen "graden Hebl", was auf gut Wienerisch "grader Michl" heißt. Platter ist vielseitig: Nach der Pflichtschule absolvierte er eine Lehre zum Buchdrucker, mit Anfang zwanzig ging er zur Gendarmerie. Zuletzt war er Tiroler Landesrat für Sport, Kultur und Schule, parallel dazu Chef des Tiroler ÖVP-Arbeitnehmerbundes. Zusammen mit dem Tiroler Arbeiterkammer-Präsidenten und schwarzen Querkopf Fritz Dinkhauser ermahnte er die Bundespartei immer wieder, sozialer zu handeln. Dafür wird er als Bundes-ÖAAB-Chef gehandelt, als Nachfolger von Werner Fasslabend, früher ebenfalls Verteidigungsminister. In der ÖVP-Combo kann Platter auch mit seiner Gitarre mitspielen: Bei Wohltätigkeitsgalas kommt er in Tirol mit "Stairway to Heaven" immer gut an. E. W. / N. W.


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