PRESSESCHAU

Medien | ARMIN THURNHER | aus FALTER 10/03 vom 04.03.2003

Nach einer Reform jammern die am lautesten, die auch nach der letzten Reform am lautesten gejammert haben. Nun beklagen sie den Verlust von etwas, gegen dessen Entstehung sie protestiert hatten. Die Presse hat sich soeben unter Pomp und Umständen ein neues Layout verpasst, und ehe man das Resultat eine Ente nennt, sollte man doch ein bisschen Zeit zur Gewöhnung vergehen lassen. Mit einigen Dingen bin ich naturgemäß sofort nicht einverstanden. Das Cover zeigt über dem Bug keine Schlagzeile, sondern nur ein Bild, das aber eine plakative Wirkung entfaltet, sonst käme man dem Boulevard nahe. Aber welcher Tag ist heute, und was wäre heute wichtig? Die Presse sagt es nicht. Die Kolumnen haben durch die Aufmachung an Autorität verloren, was ich besonders dann bedaure, wenn es sich um stockreaktionäre Meinung handelt. Die sackt plötzlich von der dekretierenden Institution zu halt auch einer Ansicht herab. Der viele Weißraum signalisiert wohl Lockerheit, aber auch eine Federleichte, die ebenfalls die Autorität des Blattes nicht stützt. Der Trost: Wie an den Verlust der Autoritäten werden wir uns auch an die neue Presse gewöhnen.


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