STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 10/03 vom 04.03.2003

Die mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907-1954), deren charakteristische Selbstporträts neben den Gemälden Van Goghs oder Munchs "Schrei" zu den wohl bekanntesten Hochkulturikonen gehören, steht im Mittelpunkt des biopic "Frida" (Regie: Julie Taymor). Obwohl sich Tratsch, Klatsch und Hollywoodreporter vor allem der Frage widmeten, ob Kahlo-Darstellerin Salma Hayek "in echt" so buschige Augenbrauen hätte, ist der Hinweis auf den symptomatischen Umgang mit Frauenbildern in Kunst und Kino in Zusammenhang mit dem aktuellen Film fast schon zu spezifisch. "Frida" ist keinesfalls seichter oder formelhafter als das Gros jener Filme, die sich des Lebens und Werks großer Künstler annehmen. Ähnlich wie beispielsweise Ed Harris' "Pollock" (2000) wird das Leben der Malerin entlang einer Reihe mehr oder weniger wichtiger Begegnungen mit historischen Figuren (Diego Riviera, Picasso, Breton, Rockefeller, Trotzki) nacherzählt, um in regelmäßigen Abständen existenzielle Konflikte im Akt künstlerischen Schaffens "auszudrücken": In diesem Falle über "surrealistische" Interludien, in denen Totenkopfpüppchen tanzen, King Kong die weiße Frau raubt oder Kahlos doppeltes Selbstporträt aus den Dreißigerjahren zu (digitalem) Leben erwacht. Der Rest sind Cameo-Auftritte (Antonio Banderas, Edward Norton, Geoffrey Rush), Kommunisten-Chic (die mexikanische Revolution wird grad mal angerissen, dafür aber umso mehr Tequila getrunken!) und, natürlich, Sex: Auch die durchaus energetische Performance Hayeks (die in keiner Szene fehlt) vermag die Darstellung Kahlos nicht vor der pittoresken, folkloristischen Erotik des Drehbuchs zu retten: Was bei J.Lo der Po ist, ist bei Hayek offenbar der Busen.


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