Gott fährt eine Harley

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 10/03 vom 04.03.2003

LITERATUR. In seinem jüngsten Roman "Malibu" verknüpft Leon de Winter tektonische Beben, tropfende Ölwannen und tibetische Weisheit zu einem theologischen Thriller. 

Was haben die Kontinentalverschiebung, die Erfindung des U-Haul-Anhängers durch Leonard S. Shoen im Jahr 1945 und der Parkplatz hinter der Bäckerei Progress in Marina del Ray, Kalifornien, miteinander zu tun? Nicht viel, außer dass sie - mit anderen Zufällen und Umständen - zu einer Kausalkette verknüpft werden, die am 22. Dezember 2000 Mirjam Koopman vom Hintersitz einer Harley Davidson unter einen entgegenkommenden Ford Explorer zerrt und ihr so schwere Verletzungen zufügt, dass sie am Morgen des 23. Dezembers, eben erst 17 geworden, stirbt.

  Der Erzählkniff, aus gottähnlicher Perspektive durch Jahrmillionen aufs Gewusel des irdischen Daseins zu blicken und sich ein paar Menschlein herauszugreifen, ist natürlich nicht neu - und die Analogie von Gott und Romancier eine alte Kamelle. In "Malibu", dem jüngsten


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