Stadtrand: Kampf den Krapfen

Stadtleben | aus FALTER 10/03 vom 04.03.2003

Kurz vorm Finale der Faschingssaison griffen Supermärkte und Bäckereiketten dann doch noch zu drastischen Mitteln, um den Krapfenumsatz zu steigern: Vor den Geschäften, unter freiem Himmel mussten frierende Mitarbeiter aufgeweichtes Schmalzgebäck aus grindigen Plexiglastheken an die Frau oder den Mann bringen. Sechs zum Preis von drei, zehn zum Preis von acht und überhaupt alles viel billiger. Oder gleich geschenkt. Die Krapfenbackindustrie scheint ernsthafte Absatzprobleme zu haben. Wie sonst ließe sich dieser ganze Wahnsinn um die mit Marmelade gefüllten Germteiglinge noch erklären. Dabei wäre doch alles ganz einfach. Früher gab es Krapfen nur um die Faschingszeit. Sie waren was Besonderes, so genannte Saisonware wie Lebkuchen, Christstollen oder Martinsgansl. Mittlerweile sind Krapfen ganzjährig zu haben. Das Fettgebäck ist somit nicht viel interessanter als Topfengolatschen, Kardinalschnitten oder Nussecken. Wäre die Krapfenzeit auf ein paar Wochen im Jahr beschränkt, wäre die Nachfrage danach auch wieder größer. Dann müsste niemand in der Kälte stehen und altes, fetttriefendes Gebäck zu Schleuderpreisen verkaufen. Und mit Staubzucker nachhelfen, wenn die Angelegenheit gar zu unansehnlich wird. Deshalb: Kampf den Krapfen. C. W.


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