VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 11/03 vom 12.03.2003

... berichtete Peter Lachnit von den Folgen einer Hausbesetzung.

Damals, am 8. Mai 1982, schienen die Voraussetzungen bei der Besetzung des Hauses Taborstraße 23 im zweiten Bezirk so günstig wie nie zuvor. Das Objekt war ein Biedermeierhaus in Gemeindebesitz, das von einer kommunalen Firma (der EKAZENT) verfallen lassen und an eine andere kommunale Firma (die GESIBA) weiterverkauft wurde. Die Besetzerinnen waren acht Frauen, die "ein Haus, wo haftentlassene Frauen wohnen und arbeiten können", forderten. Die Vorgänge in diesem Hausflur waren nun Gegenstand mehrerer Verhandlungen: War der eher schmächtige Angeklagte wirklich den Polizisten erst "ruhig entgegengekommen" und hat er sie dann derart angesprungen, dass ihn der doppelt so breite Zadrazil "körperlich nicht runtergebracht hat vom Kollegen"? Oder haben die Polizisten das - am Samstagnachmittag - leere Haus zu politischer Aufklärung benutzt, indem sie B. mit dem Gummiknüppel bearbeitet, zu Boden geworfen, getreten und gegen die Mauer gestoßen haben? Ist er auch im Kommissariat noch gegen eine Tür gestoßen worden, dass eine Zierleiste abgebrochen ist? Bei Gericht glaubte der Rechtsstaat seinen Organen schließlich mehr als den Entlastungszeugen. Dem Plädoyer des Verteidigers hört Richter Dr. Maurer kaum mehr zu, setzt seinen Tschako auf und verliest das schon feststehende Urteil: drei Monate bedingt auf drei Jahre.


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