BRAD MEHLDAU LIVE: Zwischen Goethe und Radiohead

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 11/03 vom 12.03.2003

Nicht, dass Wayne Shorter mit seinem Pianisten Danilo Perez schlecht bedient wäre, aber auf drei der insgesamt acht Stücke von Shorters jüngster CD "Allegría" springt Brad Mehldau für ihn ein. Dabei hat der Stargast nicht einmal ein Solo, beschränkt sich vielmehr darauf, mit ein paar Blockakkorden sich in den suggestiven midtempo groove von "Angola" einzuklinken oder - ein wenig an Herbie Hancock erinnernd - auf den unbegleiteten Quartettpassagen von "Orbits" für einen Höhepunkt des Albums zu sorgen.

  Mehldau kann freilich auch anders. Als klassisch ausgebildeter Pianist und bereits früh mit der Lektüre von Goethe und Thomas Mann vertrauter Leser hat es der 1970 in Jacksonville, Florida, geborene Musiker nicht immer leicht, sein Können und Wissen in Zaum zu halten. Die Beihefte zu seinen CDs werden gerne von extensiven essayistischen Auslassungen begleitet (in denen Mehldau von Schelling, Schlegel und Schopenhauer abwärts seine Geistesheroen aufruft), und er selbst ist - vor


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