Der Himmel über Hartford

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 11/03 vom 12.03.2003

FILM. Todd Haynes' prachtvoller Film "Far from Heaven" erzählt das Zerbrechen einer Musterehe mit den Mitteln des Fifties-Melodrams - und zeigt ein Amerika, das im Kino von sich selbst träumt. 

In einem Interview mit der New Yorker Village Voice erzählte jüngst der Filmemacher Todd Haynes von einem aufwühlenden Bühnenauftritt des Performancekünstlers John Kelly. Letzterer, in full drag als unheimlicher (im Freud'schen Sinne) Doppelgänger der Chanteuse Joni Mitchell und ihrer elfenhaften Sixties-Persönlichkeit, berührte das Publikum weitaus mehr, als es die "echte" Mitchell überhaupt vermocht hätte. Intensität statt Authentizität, Verkörperung und Performance statt psychologischem Realismus - Strategien sowohl der queeren Kunst des Transvestiten als auch des "postmodernen" Filmschaffens nach Avantgardekünstlern wie Andy Warhol, Jack Smith oder Kenneth Anger.

  In dieser Tradition steht zweifellos auch das Werk des 42-jährigen Haynes: Filme wie sein (bedauerlicherweise


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