AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 11/03 vom 12.03.2003

Die Lebensgeschichte des 2001 verstorbenen Schriftstellers Thomas Brasch ist so einzigartig wie symptomatisch für eine Generation von Autoren, deren Leben und Denken vom Eisernen Vorhang bestimmt wurde. Für den Westen war der von Drogen gezeichnete Anarchist zu links, für den Osten, wo der Sohn eines 1947 in den Osten emigrierten Kommunisten bis zu seiner Ausreise 1976 als Beatnik agitierte, trug er das falsche Rot. "Über uns schließt sich ein Himmel aus Stahl", der Titel einer räudigen Erzählung aus dem Band "Vor den Vätern sterben die Söhne", dessen Veröffentlichung ihn 1977 berühmt gemacht hat, dürfte das Lebensgefühl auf den Punkt gebracht haben. Obwohl das Buch an einen historischen Kontext gebunden ist, hat es nichts an Vitalität verloren. Für Brasch endete das Leben hinter den Betonmauern der Borniertheit nicht mit dem Grenzübertritt. "Ich bin eine Geisel. Ich werde abgewartet, ich werde / zur Verfügung gestellt." Diese Worte blieben auch im West-Kulturbetrieb gültig:


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