VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 12/03 vom 19.03.2003

... steuerte Jürgen Langenbach einen Auszug aus seinen "Klageliedern eines Messebesuchers" bei.

Ich will nicht immer nur mit meinem kleinen Spott gegen die Mühlen der Industrie und die Windmühlen der Marktschreier anfechten, ich möchte auch einmal klagen dürfen. Müde wird man vom Messebesuchen. Das Auge kann dem Fortschritt kaum mehr folgen, der Rücken krümmt sich unter der Last der eingesammelten Werbematerialien. Und erst die Füße. So weit sie auch tragen mögen, die Messepaläste und Messegelände nehmen kein Ende; und der "Messereigen", wie ihn das Fachblatt einrichten trefflich benennt, wirbelt die von den Waren innig geliebten Käufer in den Überfluss des Überflüssigen hinein, bis die Sohlen glühen und dem Kopf schwindelt. Ich komme nicht mehr mit, nichts wie nach Hause, in die Ruhe! Um die sorgt sich als erster das "Haus der Einfriedung", das des Bürgers Heim mit Waschbetonfiligran oder schmiedeeisernem Gitterwerk zur Burg armiert.

  Bevor der Friede jedoch gefunden werden kann, muss erst noch das Auto in die Garage; ganz einfach wird das nicht gehen, das Garagentor ist neuerdings "Härter als das Leben". Und das will einiges heißen. Wahrscheinlich vor allem, dass das Garagentor sich vor dem Straßenpassanten dadurch auszeichnet, dass es den Angriffen des Automobils standhält. Ist dieses nun endlich vor jeder Diebeshand geschützt, dann kann der Hausherr mit Wohlgefallen die neuen Kleider seines Besitztums mustern, die "vorgehängte, hinterlüftete ,Energiesparfassade'" aus schmuckem Eternit; es handelt sich um eine Art Umkehrung der Potemkin'schen Ideen, ganze Dörfer sind hinter der Einheitsfassade schon zum Verschwinden gebracht.


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