"Wie eine heiße Kartoffel"

Politik | GERALD JOHN und NINA WEISSENSTEINER | aus FALTER 12/03 vom 19.03.2003

NS-AUFARBEITUNG. Vor fünf Jahren gelobten Österreichs Banken, ihre Vergangenheit zu bewältigen. Doch viele NS-Opfer und ihre Erben haben bis heute keine Entschädigung für geraubtes Vermögen erhalten. Und angekündigte Historikerberichte harren immer noch der Veröffentlichung. 

Der Großvater hat 28 Jahre auf sein Geld gewartet. Vergebens. Er ist Anfang der Siebziger verstorben. Sein Enkel und Erbe hat bis jetzt eine Postkarte bekommen. Mit einer fünfstelligen Nummer. Hiermit werde das Eintreffen seines Antrages bestätigt, so das knappe Schreiben. Die Postkarte kam vor drei Jahren. Seither wartet auch Ernst B.

  Zweimal hat Ernst B. inzwischen "höflich, aber bestimmt" bei der Bank Austria nachgefragt. Wo denn sein Geld bleibe. "Dort" habe man ihn zwar wegen seines "bürokratischen Hürdenlaufes" bedauert, aber die "Causa eigentlich wie eine heiße Kartoffel behandelt".

  "Dort" gilt die Sache nämlich längst als erledigt. Vor drei Jahren verkündeten die Anwälte der Bank-Austria-Creditanstalt-Gruppe,


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