Kafka aus der Kiste

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 12/03 vom 19.03.2003

THEATER. Die bisher beste Inszenierung im neuen Schauspielhaus: der Kafka-Abend "Der verlorene Atem" von Barrie Kosky. 

Das Theater ist eine Kiste. Wer hineinschaut, blickt in eine fremde Welt (oder wenigstens in ein fremdes Zimmer) und in einen fremden Kopf. Die Theaterkiste ist ein Hirnkasten, in dem Träume und Gedanken sichtbar werden: Ein Autor hat etwas aufgeschrieben, und das Theater zeigt die Bilder und Klänge, die er damit im Sinn gehabt haben könnte.

  Im Schauspielhaus steht eine Kiste auf der Bühne. Diese zweite, viel kleinere Kiste aber ist verschlossen, wir können nicht hineinsehen. Sogar im Theater gibt es Grenzen. Immerhin ist auch ein freundlicher Schauspieler da, der ganz genau erklärt, was es mit dem Inneren der Kiste auf sich hat. Es handelt sich, wenn wir den Mann richtig verstanden haben, um eine erstaunliche Attraktion: Wer sich in die Kiste legt, wird von Tausenden Nadeln in einer zwölf Stunden langen Prozedur am ganzen Körper beschriftet.

  Der Mann (Yehuda


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