SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 12/03 vom 19.03.2003

Die Schauspieler Ignaz Kirchner und Gert Voss sind - mit Unterbrechungen - seit fast dreißig Jahren ein Bühnenpaar. Im Akademietheater spielen sie jetzt zwei alte Komiker, die mehr als vierzig Jahre ein Team waren, sich dabei hassen gelernt haben und zu einem Comeback überredet werden sollen. Neil Simons mehrfach verfilmte und oft gespielte Komödie "Die Sunshine Boys" (1972) ist eigentlich ein Ehedrama: Zwei Menschen, die den Großteil ihres Lebens miteinander verbracht haben, haben sich satt - und können doch nicht voneinander lassen. Mit dem Leben verhält es sich wie mit dem Doktor-Sketch, den die beiden noch einmal spielen sollen: Es ist ganz lustig, aber auf Dauer immer dasselbe. Das Stück ist im Prinzip eine aufgelegte Sache; die Aufführung im Akademietheater hinterlässt dennoch einen merkwürdig diffusen Eindruck: Dass sie nicht sonderlich lustig ist, war vielleicht Absicht (wohl nicht ohne Grund ist im Programmheft jede Menge Beckett abgedruckt), aber sie ist auch nicht besonders verzweifelt oder besonders irgendwas.

   "Die Sunshine Boys" ist die dritte Kirchner-Voss-Produktion, in der die beiden auf einen außenstehenden Regisseur verzichten (für Regie zeichnet diesmal Voss verantwortlich). Sie haben die Handlung nach Deutschland verlegt, die Namen geändert und ein Vorspiel hinzugefügt; Voss hat sich für seine Rolle sogar einen ansehnlichen Schmerbauch zugelegt. Aber was sie mit all dem erzählen wollen, erfahren wir nicht. Viel zu nett gehen die beiden miteinander um - dabei muss sich in all den Jahren doch auch zwischen Voss und Kirchner jede Menge Hass angesammelt haben. Vielleicht sollten die beiden einmal für ein paar Jahre getrennte Wege gehen. Das Comeback könnte brutal werden.


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