STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 12/03 vom 19.03.2003

Daredevil bedeutet "Draufgänger" und ist der nom de guerre eines Marvel-Comics-Helden der Siebzigerjahre. Das jüngste Produkt der grassierenden Comicfilmwelle (die heuer ihrem quantitativen Höhepunkt zustrebt) heißt so wie sein Held, also "Daredevil" (Regie: Mark Steven Johnson), und baut auf jener Formel auf, mit der bereits der letztjährige "Spider-man" erfolgreich war: Er kondensiert die (Leidens-)Geschichte der Berufung seines masked avengers auf das erste Drittel des Films, um für den Rest seiner Laufzeit mit einem "exemplarischen" Kampf gegen Bösewichter zu verbringen, die mehr oder minder die "dunklen" Charakterseiten seines Protagonisten verkörpern. "Dunkel" ist in Bezug auf diesen hierzulande eher unpopulären Comic-Helden eigentlich ein böser Scherz: Daredevil (Ben Affleck), im bürgerlichen Leben ein Anwalt namens Matt Murdoch, ist seit einem Unfall blind, dafür aber mit einem sonarartigen Gehörsinn ausgestattet. Dieser Umstand gibt Anlass für ein paar effektvolle visuelle Spielereien (wie visualisiert Daredevil seine Umwelt?), die sich allerdings recht bald in endloser Wiederholung erschöpfen; überhaupt gerät der Konflikt des Films eher zäh denn "archetypisch", während seine massiv computergestützten Martial-Arts-Sequenzen irgendwann einfach nur mehr langweilig sind. Man kennt das alles schon aus "Matrix" (1998) beziehungsweise aus Werbespots, Parodien oder, wie die weibliche Darstellerin der "Elektra"-Rolle (Jennifer Garner) nahelegt, aus Hauptabendserien wie "Alias". Das hölzerne Charisma Afflecks tut ein Übriges: Dieser "Daredevil" ist mehr Kirch- als Draufgänger; sein katholischer Gewissenskitsch bedrückt fast noch mehr als die tumbe Folge verwirrend choreographierter Faustkämpfe.


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