Anstand in Afrika

Extra | CHRISTIAN ZILLNER | aus FALTER 12/03 vom 19.03.2003

KOLONIALISMUS. Der legendäre Comiczeichner Gerhard Seyfried widmet sich in seinem Roman "Herero" einem finsteren Kapitel der Geschichte: der blutigen Niederwerfung des Hereroaufstandes in Südwestafrika. 

Gerhard Seyfried war ein Idol meiner späten Jugendjahre. Sein kleiner Anarchist hat mir in der Provinz das Gefühl vermittelt, da draußen, in der großen weiten Welt des braven Biedersinns, mache einer das Richtige - und sei es, indem er Comics zeichnet. Nun hat das Idol einen Roman geschrieben: Auf 600 Seiten erzählt "Herero" vom Schicksal eines afrikanischen Volkes, das von Deutschen kolonisiert und nach einem Aufstand praktisch ausgerottet wurde. Eine würdige Aufgabe für das Idol meiner Jugend.

  Jahrelang, so erfährt man in der Nachbemerkung, habe Seyfried über die Hereros und die Deutschen in Südwestafrika (dem heutigen Namibia) recherchiert und mehr als 200 Bücher dazu gelesen. Thomas Pynchons "Gravity's Rainbow" wird im Literaturverzeichnis nicht geführt. In diesem


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