Mit leichtem Gepäck

Österreich | HELMUT GOLLNER | aus FALTER 12/03 vom 19.03.2003

ROMAN. Daniel Kehlmann wirft in seinem vierten Roman, "Ich und Kaminski", Gewichte ab und beschert dem Leser unter anderem eine schräge Roadstory an die Nordsee. 

Sebastian Zöllner ist einer, der im Nichtraucherabteil raucht: nicht weil er Suchtopfer, sondern weil er Stänkerer ist. Seine Misanthropie scheint weniger die Folge von Welterfahrung oder Weltanschauung zu sein als eine Missbildung des Charakters. Darum ist es leicht, über seine ständigen Kollisionen zu grinsen; noch leichter fällt das, wenn seine habituelle Geringschätzung der Mitmenschen von peinlicher Selbstüberschätzung begleitet wird. In Gesellschaft - "Hallo, ich bin Sebastian Zöllner!" - führt jede seiner rücksichtslosen Bewegungen ins Fettnäpfchen oder ins Porzellan, was die Auffassung, Held des Abends gewesen zu sein, aber nicht weiter beeinträchtigt.

  Dieser Sebastian Zöllner ist Kunstkritiker, der sich nicht durch Fachkompetenz, sondern durch Opportunismus auszeichnet. Zöllner zieht aus, eine Biografie


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