Kammern der Wunder

TINA THIEL | Extra | aus FALTER 12/03 vom 19.03.2003

KULTURGESCHICHTE. Zwei üppig ausgestattete Prachtbände - "Das Kuriositätenkabinett" von Patrick Mauriès und "Paradies und Paradox" von Anita Albus - entführen in Zeiten, als die Welt noch nicht entzaubert war und die Ratio erst noch mit den Grillen aufräumen musste. 

Vor der Geburt der modernen Naturwissenschaften war vieles möglich: Unterschiedliche Modelle zur Welterklärung und Weltaneignung stritten um die Vorherrschaft, Mensch und Natur waren noch nicht strikt in erkennendes Subjekt und erkanntes Objekt auseinander dividiert, und vor allem: Man durfte und wollte sich noch wundern. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts machten das Wunder und das Sich-Wundern langsam der Nüchternheit und den wissenschaftlichen Tatsachen Platz. Diese drängte die Welt der Chimären und des Wunderlichen in den Bereich der Scharlatanerie oder des Missverständnisses und erklärte das Sich-Wundern zur Eigenschaft höchstens noch des naiven und leichtgläubigen Volks.

  Vor dieser Zeit aber war das

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