VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 13/03 vom 26.03.2003

1983 war es noch lange hin, bis man von so etwas wie "Grünen" sprechen durfte. Es gab maximal "Alternative Listen". Das Programm der Alternativen Liste Wien veröffentlichte der Falter in Fortsetzungen: "Anstatt die verstaatlichte Industrie einem Schrumpfungsprozess zu unterwerfen, gilt es, sie unter Kontrolle der Beschäftigten zu konsolidieren", hieß es da. Der blaue Radikalliberalisierer Thomas Prinzhorn war damals übrigens gerade 40 Jahre alt.

  1983 standen Gemeinderatswahlen vor der Tür. Auf der gleichen Seite wie das AL-Programm findet sich ein offener Brief von SPÖ-internen Kritikern, in dem sie ihre Partei auffordern "ihre Wähler vom Sinn sozialistischer Kommunalpolitik zu überzeugen." Neben anderen unterzeichneten Freda Meißner-Blau, Dr. Manfred Matzka und Wilhelm Kainrath.

  Kainrath galt als kreativer Kopf der Wiener Stadtplanung; er verunglückte bei einer Bergtour und starb leider früh. In in einem doppelseitigen Gespräch mit Werner Korn skizziert er seine Ideen von einem Wien mit mehreren Zentren. Denn, so verhieß es der gemeindeeigene "Plan 2000": "Jede Zukunft wird einmal Gegenwart."

  In der Kultur zu lesen: Eine Rezension von Peter Oswald über eine österreichische Nono-Erstaufführung mit dem LaSalle-Quartett, ein Essay von Harry Tomicek über Hitchcock-Filme, ein Originalbrief von Danielle Huillet, der Partnerin Jean-Marie Straubs, zu deren neuem Film und ein Interview mit Rock-Veranstalter Edek Bartz, der erklärte, warum große Rock-Acts so selten nach Wien kamen. Etwa, weil Manager nach den Plattenverkäufen fragen. "Show me the recordsales!, sagt der. Und dann sieht er: Schweiz 25.000, Österreich 3.500. Manchmal fragt er noch: In einem Geschäft? Die Stückzahlen sind hier so wahnwitzig lächerlich, Weltstars verkaufen hier oft nicht mehr als 200, 300 Stück."

A. T.


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