SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK und PETRA RATHMANNER | aus FALTER 13/03 vom 26.03.2003

Marlene Dietrich schnarcht, und Leni Riefenstahl hat einen Sprachfehler. Auf der mit weißen Flauschteppichen ausgelegten Bühne im Schikaneder ist aus der strahlenden Filmdiva eine herrlich versoffene Lemure geworden, während die umstrittene Regisseurin immer noch die bestürzende Vitalität eines ewigen BDM-Mädels verströmt. Thea Dorns "Marleni" handelt von einer fiktiven Begegnung der gealterten Ikonen. Im Hickhack der Dialoge hauen sich die Greisinnen ihre Vergangenheit um die Ohren, sparen nicht mit Kalauern und beschimpfen einander gern als "Nazi-Nutte" oder "Ami-Hure". Die schrille Inszenierung von Regisseur Leo Krischke überhöht die blondgelockten Preußinnen ins Groteske. Ein gelungener Blondinenwitz.

  In ein ähnliches Horn - Spaß mit Nazis - wird im Rabenhof geblasen, wo die realsatirische Szenenfolge "Schüler Hitler" gegeben wird. Das nach den Memoiren von Hitlers Schauspiellehrer Paul Devrient geschriebene Stück ist gutes Rollenfutter für Hubsi Kramar (ein rührend hilfloser "Führer") und Gregor Seberg (ein herrlich pathetischer Devrient), insgesamt handelt es sich um eine für Regisseur Thomas Gratzer typische Inszenierung: Der kurzweilige Abend bietet genau das, was man sich von ihm erwartet hat - nicht weniger, aber auch nicht mehr. Ein schöner Theaterwitz.

  Im Volkstheater, wo die Spielzeit bisher auf Kellerniveau logierte, kann eine im Mezzanin der Theaterkunst angesiedelte Inszenierung wie "Der zerbrochne Krug" als Saisonhöhepunkt bezeichnet werden. Dass die Schauspieler - nicht nur der gekonnt outrierende Wolfgang Hübsch als Dorfrichter Adam - auffallend gut und anders sind als gewohnt, liegt nicht nur an Regisseur Georg Schmiedleitner, sondern auch an Kostümbildnerin Andrea Bernd. Selten kann man so deutlich sehen, wie prägend Kostüme sein können. Kleider machen Leute; daran, dass dieses "Lustspiel" zwar vom großartigen Kleist, aber nicht wirklich lustig ist, ändern sie aber auch nichts. Ein dann doch zu langer Justizwitz.

PETRA RATHMANNER


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige