STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 13/03 vom 26.03.2003

Wo kommst denn her?", wird Rocco einmal gefragt. "Bin a Wiener", antwortet der Titelheld lapidar. Es sind Szenen wie diese, in denen Houchang Allahyaris jüngste Arbeit erahnen lässt, was minoritäres, quasi multikulturell geprägtes Filmschaffen österreichischer Provenienz sein könnte. Rocco ist 19, seine Eltern stammen aus der Türkei. Die vierköpfige Familie wohnt in einer Substandardwohnung - Zimmer, Küche, Klo am Gang. Wenn der Papa mal wieder Lust hat, müssen die Kinder zuhören; und wenn der Papa die Mama verprügelt, hört mans im ganzen Haus. "Rocco", auf Videomaterial und mit einem Minibudget gedreht, beschreibt eine Flucht. Die verzweifelten Versuche, den beengten Verhältnissen zu entkommen, führen den Jungen zunächst aufs Arbeitsamt, dann in eine Bar, deren Geschäftsführer er wird, und von da an geradewegs hinein ins Milieu, die Drogenszene. Seine besten Freunde wenden sich von ihm ab; eine Affäre mit Leila, der Freundin des Barbesitzers, ist von kurzer Dauer; die Katastrophe am Ende unausweichlich.

  Das vielleicht Bemerkenswerteste an dem Film aber ist, dass sein Regisseur über sechzig ist und sich offensichtlich nur ein "Amateur" wie Allahyari überhaupt für einen derartigen Stoff (Drehbuch und Kamera: Ivan Siljic) interessiert. Das soll gewiss nicht heißen, "Rocco" sei das, was man landläufig als "guten Film" bezeichnet. Die verschiedenen Gastauftritte (etwa Dolores Schmidinger als indisch vergeistigte Koksmutti) sind zum Krenreiben, ebenso die beliebige Art und Weise, wie hier mit Musik umgegangen wird. Bei der Besetzung der beiden Hauptrollen aber hat Allahyari viel Gespür bewiesen. Morteza Tavakoli (Rocco) und Anna Franzsika Srna (Leila) machen ihre Sache überraschend gut - selbst in unspielbaren Szenen.


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