Neustart in Gumpendorf

Stadtleben | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 13/03 vom 26.03.2003

WERKSTATT. Im Rahmen eines Arbeitsprojekts reparieren Haftentlassene Fahrräder.

Die Endkontrolle liegt bei Hermann Bergner. Und wenn die jungen Mechaniker einmal zu lange brauchen, greift der Leiter der Fahrradwerkstatt selbst zum Werkzeug, "damit versprochene Termine eingehalten werden können". Denn die Fahrradwerkstatt von Neustart ist kein normaler Betrieb, sondern ein Sozialprojekt. Haftentlassene sollen hier unter Anleitung und fast realen Arbeitsbedingungen Jobs ausprobieren und damit zusammenhängende Konflikte austragen können, ohne sich überfordert zu fühlen: Training für das Leben draußen. Das Fahrradwerkstattprojekt der Haftentlassenenhilfsorganisation Neustart gibt es schon seit zehn Jahren. Vor ein paar Wochen ist Neustart samt Werkstatt vom 9. Bezirk in den 6. Bezirk ins ehemalige Postgebäude an der Gumpendorfer Straße übersiedelt: Schönere, wenn auch kleinere Räumlichkeiten für den Mechanikerbetrieb, mit professionellem Umfeld. In der Werkstatt werden Fahrräder gewartet und repariert. Alträder werden komplett erneuert. Dabei hat kaum jemand von denen, die zwei Mal die Woche für maximal drei Monate hier zum Arbeitenlernen herkommen, eine handwerkliche Ausbildung. Doch die Arbeit ist "niederschwellig". Die Verantwortung für den ersten - mehr oder weniger - geregelten Job nach der Zeit im Knast, Erfolgserlebnisse steigern das Selbstwertgefühl.

Als "ganz normalen Servicebetrieb" will Bergner die Fahrradwerkstatt nicht verstanden wissen; "Reparaturen dauern bei uns manchmal etwas länger, dafür sind wir auch günstiger als herkömmliche Betriebe." Ein Rad-Service kostet zwischen 20 und 25 Euro - dafür braucht man halt etwas Geduld. Und im Ernstfall packt der Werkstattleiter auch selbst mit an.

Neustart-Arbeitsprojekt Fahrradwerkstatt, 6., Gumpendorfer Str. 70 (Eingang Brauerg. 1b), Mo-Do 9-13, 14-16 (Do bis 18), Fr 9-13 Uhr.


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