VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 14/03 vom 02.04.2003

Gäbe es so etwas wie eine österreichische Pressegeschichte des 20. Jahrhunderts, würde der 23.3.1983 als einer ihrer schwarzen Tage gelten. An diesem Tag erschien zum ersten Mal das Magazin Basta, die erste Publikation der Gebrüder Fellner, mit der diese sich an ein breiteres Publikum wandten. Die Erinnerung an diesen Tag ist in mir so schrecklich lebendig, dass ich die Leserschaft ersuche, deren Auffrischung um eine Woche verschieben zu dürfen. Aus ökonomischen Gründen müssen diese zwanzig Jahre alten Erinnerungen, von der verstrichenen Zeit ohnehin angeknabbert, sowieso zweigeteilt werden, da der Falter seinerzeit nur alle zwei Wochen erschien.

  Deswegen werde ich in Teil 1 der vorläufigen Erinnerungen an Falter 7/1983 noch nicht auf den Skandal Basta zu sprechen kommen. Es war, das hat doch mit diesem Skandal zu tun, Vorwahlzeit; das Ende der Ära Kreisky stand im Raum, und die Sozialdemokraten glaubten an die gleiche falsche Bauernregel, an die sie noch immer glauben: Ein Fellner im März lindert bei Wahlen den Schmerz.

  Der Falter blieb unbeeindruckt und veranstaltete eine Promi-Umfrage, wie es sie ebenfalls heute noch gibt. Nur Viktor Matejka, den legendären ersten Wiener Kulturstadtrat nach 1945, gibt es nicht mehr. Auf die Falter-Frage, was er wählen werde, antwortete er: "In einem uralt schwarz grundierten Österreich kann ich nur rot wählen. Da hat sich bei mir seit den Zwanzigerjahren nichts geändert. Die SPÖ ist alles andere als ideal, mitunter sogar fatal. Aber Leute wie Cap bewegen sich und andere gar nicht so allein. Sie können und werden sich durchsetzen. Eine Formel 1 lautet: besser Tschapitalismus als Kapitalismus. Also Cap auf den Stimmzettel schreiben!" Nächste Woche: Über das Magazin, das mit einer Lüge antrat, um die österreichische Öffentlichkeit zu verändern. Wahrlich, ein Sensationeller Erfolg! A.T.


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