Feinde als Befreier?

Vorwort | RAIMUND LÖW | aus FALTER 14/03 vom 02.04.2003

AUSLAND. Offenbar ignoriert die Regierung Bush die verheerende Dynamik eines in die Länge gezogenen Irakkonflikts. 

Ein Blick auf die Geschichte lehrt: Ob aus einer militärischen Besatzung Befreiung oder Unterdrückung resultiert, lässt sich weder aus den Proklamationen der Eroberer noch durch den ersten Augenschein eindeutig feststellen. Als die Soldaten der Roten Armee 1945 in Prag einzogen, da wurden sie mit Jubel und Begeisterung empfangen. Wenige Jahre später signalisierte der stalinistische Schauprozess gegen Rudolf Slansky, dass die Sowjetunion die Tschechoslowakei für absehbare Zeit in ihrem eisernen Griff halten würde. Die Wiener, in ihrer Mehrheit wohl ebenfalls froh, dass die Hitlerei zu Ende war, begegneten den einmarschierenden sowjetischen Soldaten mit einer Mischung aus Angst, Respekt und Ablehnung. Das Gefühl der "Befreiung" blieb vorerst auf die Sonntagsreden der Politik beschränkt. Aber wenig später stellte sich heraus, dass das Besatzungsregime der Alliierten


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