Reader's Digest

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 14/03 vom 02.04.2003

THEATER. 650 Seiten in neunzig Minuten: Stephan Müller bringt im Kasino den russischen Roman "Oblomow" auf die Bühne. 

Herr Oblomow ist als begnadeter Müßiggänger in die Literaturgeschichte eingegangen. Tatsächlich ist der Titelheld aus Iwan Gontscharows Roman von 1859 nur schwer dazu zu bewegen, sich aus dem Bett zu begeben und den Dingen des Lebens (Ausgehen, Zeitunglesen, von Arbeit ganz zu schweigen) zuzuwenden. Das Image des lebensuntüchtigen Faulpelzes ist dennoch ungerecht: Erstens handelt der umfangreiche Roman über weite Strecken von einer - für Oblomows Verhältnisse - überaus aktiven Phase seines Lebens, und zweitens ist Oblomow ja zumindest innerlich ziemlich rege. Er denkt halt gründlich nach, bevor er etwas macht - um dann meistens zu der Erkenntnis zu gelangen, lieber nichts zu machen.

  Eigentlich sollte sich Oblomow ja aus seiner St. Petersburger Wohnung endlich einmal in sein weit entferntes Landgut begeben, um dort nach dem Rechten zu sehen. Aber leider kommt


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