VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 15/03 vom 09.04.2003

Bastard. Mit einem Artikel unter diesem Titel begrüßte der Falter Basta, die um zwei Buchstaben ärmere erste Publikumsillustrierte der Gebrüder Fellner. Dem Erscheinen von Basta waren großzügig verteilte Gratisfolder vorangegangen, in denen die Brüder mit ihren Absichten nicht hinterm Berg hielten. Die verlegerische Höchststufe von Brieflos und Gratisflugkilometer war zwar noch nicht erreicht, aber das grundsätzliche journalistische Werkzeug war vorhanden. "Zeitung muss brennen", hieß es, und tatsächlich, Basta hatte seinen Knalleffekt. Das Erscheinen war geschickt vor eine Nationalratswahl platziert worden, und Basta ließ keinen Zweifel daran offen, worum es ging: "Die österreichische Führungseben hat ein Durchschnittsalter wie im Kreml. Vor allem in der Politik. (...) Eine Ausnahme, die die Regel bestätigt: Bruno Kreisky. Er wird auch von der Mehrheit der hungrigen Generation unter vierzig angenommen. Wenn er abtritt, droht dieses Land in Fadesse und Blutarmut zu ersticken. Basta ist der logische Nachfolger." Basta redete nicht nur für Kreisky, es tat auch was. Die Fellners nahmen den Text eines Schriftstellers, in dem der damalige Grünpolitiker Fux satirisch des "Hasenschießens" (also des Geschlechtsverkehrs mit vielen verschiedenen Frauen) bezichtigt wurde, mixten diese Satire mit einem Telefongespräch mit Fux über die 10.000 Frauen, die der Krimiautor George Simenon angeblich in seinem Leben gehabt hatte, und erklärten das Resultat zum echten Skandal. Obwohl ein von Basta zusätzlich vorgelegtes Tonband schnell als Fälschung entlarvt war, empörten sich die Öffentlichkeit, der ORF und sozialdemokratische Mandatare nicht über die Täter (Basta und die Fellners), sondern über das Opfer (Fux). Depr Zweck war erreicht: Basta war "Gesprächsstoff für Österreich", die Fux-Günen kamen nicht ins Parlament. A. T.


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