Kommentar: Warum die Dichter schweigen

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 15/03 vom 09.04.2003

Es ist vielleicht eine etwas fragwürdige Vorliebe, aber als Medienkonsument von Kriegsberichterstattung höre ich am liebsten "unabhängigen" Militärs zu. Das sind furztrockene No-Nonsense-Guys, die eine Ahnung vom Kriegführen haben und sagen, was Sache ist. Dass die Kommentare von Künstlern und Künstlerinnen diesmal eher dünn gesät sind, stört mich wenig. Das hat überhaupt nichts mit jener Intellektuellenverachtung zu tun, die Feuilleton-Journalisten gerne anprangern, um sich als feinsinnige Intellektuellenfreunde zu outen, sondern entspringt bloß meiner Abneigung gegen die permanente Abfragerei des ewig gleichen Dutzends Personen, die dann ein paar Zeilen Meinung absondern dürfen, ohne dass jemand tatsächlich zu Wort käme.

Es ist ein großes Missverständnis, dass sich Künstler aufgrund ihrer Profession zu jedem Thema zu äußern haben, das gerade die Welt bewegt. Ein noch größerer Irrtum besteht darin, dass sie dank ihres Berufs zu Einsichten privilegiert seien, die dem


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