STREIFENWEISE

Kultur | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 15/03 vom 09.04.2003

Niki Lists Film "Move!" funktioniert wie ein perfektes arbeitsteiliges System, in dem alle ihr Fett oder Phatt abbekommen. Die multi-ethnische Wiener HipHop-Formation Viennese Voodoo bekommt Raum zur Ausbreitung ihres Alltags als Dauerritual aus fingerspreizenden Gesten, Machoposen, Karriere-Moves und dumpfem Geplauder zwischen Schönbrunnerdeutsch, Meidlingerisch und Ami-Slang unter Häufung von "Weißtwasimein?" und "KnowwhatImean?" Der Regisseur bekommt manische Selbstdarsteller zum Herzeigen im Rahmen eines burschenromantischen Bandporträts. Von (HipHop-, Party- oder Migranten-)"Szene" keine Spur; dafür, ergänzend zum Narzissmus der Musiker, drei Mädchen, die ihren Groupiestatus durch fetischistischen Dauergebrauch ihrer Digicams aufwerten.

  Pulsierende Kreativität von allen Seiten: Die einen grooven und rhymen, die anderen filmen sie und kudern, nehmen einen Studentenkredit auf und gründen eine Mediafirma, was an die jungen Start-up-Unternehmer und -innen in Filmen wie "Conny und Peter machen Musik" erinnert. Dazu gibts echtes multikulturelles Wien in einem Videoclip vor Naschmarktkulisse und Politik als Vorführung der ärgsten Szenen von der Nazidemo am Heldenplatz plus Aufsagen dessen, was man blöd findet - bei Bedarf auch als Rap (als hätte es den "Brief an den Bundeskanzler" der Kaputtnicks nie gegeben). Der Akzent liegt allerdings eher auf Authentizitätsversprechen eines wackelnden Semidokumentarismus, der Selbstreflexivität mit Coolseinroutine in eins setzt: Man filmt sich selbst, spielt sich selbst, findet sich selbst gut.


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