KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 15/03 vom 09.04.2003

Während die heimische Literatur - siehe Thomas Bernhard, Ilse Aichinger oder Elfriede Jelinek - reich an Versuchen ist, die eigenen Traumata vor einem nationalen, historischen Hintergrund zu begreifen, findet sich in der österreichischen Kunst wenig Vergleichbares. Seine eigene Jugend in der Kunst zu verarbeiten ist - so scheint es - eine Sache; die sozio-politischen Prozesse dieser Zeit zu reflektieren eine andere. In ihrer Ausstellung "Exercises in becoming a citizen" in der Künstlerhaus Passagegalerie (bis 18.4.) wagt die 36-jährige Wienerin Anita Fricek diese wenig coole Auseinandersetzung - noch dazu im Medium der Malerei. Friceks aktuelle Ölgemälde zeigen Mittdreißiger, die noch mit der Lüge aufgewachsen sind, dass Österreich zu den Opfern des Nationalsozialismus gehörte. In dem Bild "Kreiskys Kinder" werden als pastellige Lichtgestalten gemalte Figuren von grauen Szenerien umschwirrt, die wohl nach wie vor nicht in Schulbüchern zu finden sind: etwa die so genannten Kamingespräche,


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige