Palmkätzchenwahnsinn

Stadtleben | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 15/03 vom 09.04.2003

OSTERMÄRKTE. Wo sonst Weihnachtsmärkte sind, bereitet man sich jetzt auf Ostern vor.

Es hat ja einmal so weit kommen müssen, werden sich die Miesepeter und -petras jetzt wieder denken. Denn dort, wo sich in der Vorweihnachtszeit Punschhütten, Punschnasen und Nikolodarsteller stapeln, versammeln sich vor Ostern Menschen, um die nahende Wiederauferstehung Jesu zu feiern - oder das dafür nötige Zubehör zu kaufen beziehungsweise zu verkaufen. Dabei sind die Ostermärkte für Wien gar keine so neue Sache. So gibt es zum Beispiel den Kalvarienbergmarkt seit mehr als 350 Jahren - allerdings hieß er zu frommeren Zeiten "Fastenmarkt". Wichtigstes Accessoire dieses Marktes in der Vorstadt sind die so genannten Bamkraxler, Holzfiguren, die mit seltsam zweifelhaften Bewegungen an einer Metallstange herunterrutschen. Und natürlich gehört auch das Kalvarienbergmarktkipferl zum Besuch dieser Veranstaltung - und das nicht nur wegen des sehr langen Wortes.

Auch auf der Freyung findet traditionellerweise ein Ostermarkt statt: Kunsthandwerk mit oder ohne österlichen Bezug, Ostereier und - wie immer an diesem Ort - deftig was zum Essen und Trinken. Neu und ganz und gar nicht traditionell hingegen ist der Ostermarkt vor dem Schloss Schönbrunn. Hier darf Ähnliches erwartet werden wie beim Adventsmarkt, statt Kerzen und Weihnachtsschmuck konzentrieren sich die kunsthandwerklich begabten Standler wohl aber dann eher aufs Osterfest. Angeboten werden Ostereier, Osterkerzen, Heutiere, Blechspielzeug, Imkereiprodukte, Osterschmuck, Blumengestecke und der ganze Palmkätzchenwahnsinn. Dazu gibts ein ziemlich umfassendes Unterhaltungsprogramm für Kinder mit Marzipan-Osterhasenwerkstatt, Palmbuschenbinden und Hühnerhindernislauf. Und zu den Feiertagen wird der Ehrenhof dann noch in ein riesiges Osternest verwandelt: imperiale Osternestsuche unter freiem Himmel.


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