VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 16/03 vom 16.04.2003

Vor zwanzig Jahren, "im Café Alt-Wien, Sonntag, der historische, eine Stunde vor Mitternacht. Das halb leere Lokal wirkt mit seinen Fliesen, seinen Spiel- und Tabakautomaten und mit seinen Gästen wie ein Aquarium. Hier versammelt sich die Falter-Runde, um ihrem Lebensgefühl permanenten Substandards Ausdruck zu verleihen. Dieses Lebensgefühl hat diesen Sonntag zweifellos seinen politischen Ausdruck bekommen." Damals war man noch bescheiden. Was war tatsächlich zu beklagen? "Zwischendurch kommt das innere Aquariumgefühl hoch. Swoberl, ein betrunkener Schauspieler, durchquert den Tank auf dem Weg ins Pissoir. ,Wos, da Kreisky is weg? Ahso, relativ.'" Was man damals als Apokalypse betrachtete, ginge heute nicht einmal als Kleinkatastrophe durch. Die Ära Bruno Kreisky hatte ihr Ende gefunden, aber die Sozialdemokraten hielten noch immer bei weitem die relative Mehrheit (anschließend bildeten sie unter Fred Sinowatz eine rot-blaue Regierung). Im Falter 9/1983 sucht man das Ergebnis dieser Wahl vergebens, dafür findet man auf Seite zwei Kurzporträts einiger erstmals in Wien gewählter alternativer Mandatarinnen und Mandatare. Der Falter-Berichterstatter ging zum Schluss ins Oswald & Kalb, damals absolutes In-Lokal, um sich in Gefühlen der SP-Prominenz zu suhlen: "Entsetzen herrscht hier vor allem über die Lieblosigkeit, die der Österreicher seinem alten Mann entgegengebracht hat. Des überlebt er net, sagt mehr als einer ... Nicht einmal ein halbes Jahr überlebt er des, wirst sehen." Kreisky starb verbittert 1990. A. T.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige