STANDPUNKT: Nur kein Neid!

Politik | aus FALTER 16/03 vom 16.04.2003

Zuerst waren es abgewählte Minister, die ihr Gehalt weiter kassieren, bis sie einen neuen Job haben. Jetzt sind es aktive Politiker, die schon so lange dabei sind, dass sie eines Tages eine fette Pension bekommen werden. Und ihre Kollegen, die ihren lukrativen Ruhestand schon genießen. Haben wir keine anderen Probleme? Anstatt weiter ernsthaft über die Pensionsreform zu diskutieren, beschäftigt sich die Neidgenossenschaft Österreich derzeit hingebungsvoll mit Politikerpensionen. Ja eh, es ist nicht einzusehen, warum Regierungsmitgliedern ein dermaßen üppiges Arbeitslosengeld nachgeschmissen wird. Es schaut blöd aus, dass gewisse Politiker eine stattliche Rente und ein schönes Gehalt beziehen, während sie allen anderen Bürgern die Pension kürzen wollen. Aber das sind Dinosaurier, die ohnehin bald aussterben werden. Jüngere Abgeordnete sind pensionsversichert wie ganz normale Angestellte. Und ja, es ist ein schönes Symbol, wenn Politpensionisten jetzt einen Solidarbeitrag zahlen. Aber was kommt als Nächstes? Wahrscheinlich wird in zwei Wochen über die Bezügepyramide diskutiert statt über Selbstbehalte beim Arzt. Warum dieser Neid? Schlechte Politiker kann man abwählen. Gute Politiker arbeiten ausgesprochen hart, verzichten auf ein Privatleben, werden ständig von den Medien sekkiert und kritisiert - und von Neidhammeln verfolgt. Das ist nicht lustig. E. W.


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