AUFGEBLÄTTERT

Kultur | Martin Droschke | aus FALTER 16/03 vom 16.04.2003

Romulus, der von einer Wölfin gesäugte Gründer Roms, ist das bekannteste Beispiel eines homo ferus, eines verwilderten Menschen. Hunderte Fälle von Kindern, die bei ihrem Auftauchen aus der Wildnis mehr tierische als menschliche Verhaltensmerkmale zeigten, dokumentiert der Journalist P. J. Blumenthal in dem Buch "Kaspar Hausers Geschwister", das der Frage nachgeht, welche Dominanz verhaltensbiologische Rudimente der Evolution bei der Entwicklung von Kindern einnehmen können. Donald Kellog etwa wurde im Alter von zehn Monaten das Affenkind Gua zur Seite gestellt. Gua entwickelte sich viel schneller. Donald nahm die Rolle eines Nachahmers ein, der buchstäblich zum Affen mutierte. Mit 19 Monaten kannte er zwar magere sechs Wörter, artikulierte sich aber stets grunzend und bellend.

  Der Sog des Animalischen, so Blumenthal, ist so groß, dass einmal verwilderte Kinder nur noch selten in das Zivilisierte zurückfinden. Folgt man dem Roman "Die Sanftheit" von Christophe Honoré, so ist


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige