STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 16/03 vom 16.04.2003

Man müsse andere Filme machen, sagt der Drehbuchautor einmal, sie anders machen, elementar, so wie einstmals Griffith oder Charlie Chaplin. Der amerikanische Produzent hat dafür wenig übrig: "When I hear the word culture, I get my check book." Worauf der alte Regisseur, der nach Capri gekommen war, um die "Odyssee" zu verfilmen, erwidert: "Vor ein paar Jahren, es ist noch gar nicht so lange her, zog man den Revolver anstelle des Scheckbuchs." "Le mépris" von Jean-Luc Godard (1963), der nun vom Stadtkino in neuer Kopie wieder gezeigt wird, ist ein Film über die Liebe und eine Liebeserklärung an das Kino. In den Hauptrollen sind Michel Piccoli, Brigitte Bardot und Jack Palance zu sehen. Elementarfarben, dunkles Blau, knallendes Rot und tödliches Gelb, dominieren. Zitiert werden Hölderlin, Dean Martin, Brecht und Rossellini. Man redet aneinander vorbei: Der Autor spricht nicht Englisch, der Produzent kein Französisch; einzig Fritz Lang, der Regisseur, beherrscht und versteht alle Sprachen, die am Set dieses Films im Film gesprochen werden. Er ist "das Gewissen des Films, seine Ehrlichkeit", sagt Godard, der am Ende selbst als Regieassistent auftritt und submissest verkündet: "Monsieur Lang, wir sind bereit!"

  Im selben Jahr wie "Le mépris" erschien, posthum, "Pasazerka" ("The Passenger"), die letzte Arbeit des polnischen Regisseurs Andrzej Munk, der 1961 bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Ursprünglich vom Fernsehen in Auftrag gegeben, wurde der Film von Witold Lesiewicz, seinem engsten Mitarbeiter, fertig gestellt und im Kino herausgebracht. Ein filmischer Text, so ein Kritiker, der einer "blutenden, offenen Wunde" gleiche: In Form abweichender Rückblenden lernen wir die Erinnerungen zweier Frauen an Auschwitz kennen - und die jeweilige Rolle, die Lisa und Martha damals tatsächlich gespielt haben. (Flankiert wird die Vorführung von einer Lecture der US-Filmwissenschaftlerin Maureen Turim, am 21.4., 21.15 Uhr, im Filmmuseum.)


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